Das Warscheneck (2.388 m) liegt im Toten Gebirge und ist dank seines monumentalen Gipfelkreuzes und der schönen Aussichten ein beliebtes Ziel österreichischer wie ausländischer Wanderer. Der Aufstieg ist technisch nicht schwierig, eine gewisse Kondition und Erfahrung braucht man aber schon. Im oberen Teil wartet ein Klettersteig der Schwierigkeit B, und der Abstieg ist etwas länger, als er scheint. Ideal ist die Tour im Herbst — wir waren Mitte Oktober unterwegs, eine Woche später fiel der erste Schnee.
Mit der Standseilbahn — die Tagesvariante
Die Tagesvariante nutzt die Standseilbahn. Es lohnt sich, wirklich früh zu kommen — wegen der Parkplätze und der Betriebszeiten. Start ist am kostenlosen Parkplatz an der Talstation der Wurzeralmbahn. Günstig ist die Bahn nicht gerade — hin und zurück kostet sie 22,50 EUR pro Erwachsenen (2024) — aber sie spart rund 4 km und 630 Höhenmeter. Die Bahn bringt euch auf die Wurzeralm (1.400 m), und schon während der Fahrt kann man die schöne, wechselnde Landschaft beobachten. Die Fahrt durch den langen, dunklen Tunnel erinnert ein wenig an die Tragödie von Kaprun, aber ich glaube, daraus haben alle gelernt. Trotzdem gibt es in der Kabine nur Branddecken und keinen Feuerlöscher…
Zu Fuß vom Parkplatz
Wer eine Ganztagestour bevorzugt, kann direkt am Parkplatz an der Talstation starten. Der Weg führt über die Skipiste entlang der Bahntrasse bis zur Wurzeralm. Dieser Abschnitt ist ziemlich fordernd, mäßige und steile Passagen wechseln sich ab, laut Karte dauert er etwa zwei Stunden. In dem Fall bietet es sich an, die Tour auf zwei Tage aufzuteilen und vor dem Gipfeltag zu übernachten.
Von der Wurzeralm aufs Warscheneck
An der Bergstation gibt es ein Restaurant. Erkundigt euch beim Aufbruch unbedingt, wann die letzte Kabine ins Tal fährt, damit ihr nach dem anstrengenden Abstieg nicht noch weitere Höhenmeter absteigen müsst (besonders nach dem Kauf eines Hin- und Rückfahrttickets).
Auf das Warscheneck führen mehrere Routen; wir haben uns auch wegen des Klettersteigs für eine Rundtour entschieden. Von der Bergstation geht es zunächst kurz bergab, dann beginnt ein ziemlich steiler Anstieg über die Skipisten, der sich lange zieht. Abkürzen kann man direkt über die erste Piste hinter der Verzweigung — die ist aber wirklich steil, deshalb bleiben wir auf der offiziellen Route. Sobald man die Baumgrenze hinter sich lässt, öffnen sich die Blicke auf die umliegenden Berge. Bald zeigt sich auch das Ziel in voller Pracht — das Warscheneck. Der Anblick täuscht jedoch, näher kommt man ihm noch lange nicht. Es geht weiter über Pisten bergauf bis zur Bergstation des Sessellifts Frauenkarlift.
Wer Stöcke benutzt, sollte sie jetzt verstauen, denn hier beginnt das wahre Tote Gebirge — scharfer Kalkstein. Los geht es mit einem recht unterhaltsamen Hüpfen über ein Blockfeld, das zum Fels führt. Dann folgt ein steilerer Anstieg, stellenweise auf allen Vieren, aber nach einem kurzen Stück wird der Weg wieder flacher, und es öffnen sich Blicke auf den Westteil des Toten Gebirges samt einem beeindruckenden Tafelberg, der ein wenig an den Grand Canyon erinnert.
Der Klettersteig aufs Warscheneck
Über ein verschlungenes Steiglein erreicht man den letzten Felsen, wo der „Klettersteig“ auf den Gipfel beginnt. Die Anführungszeichen sind kein Versehen — eigentlich ist es kein Klettersteig, sondern ein stellenweise mit Seilen und Eisenklammern gesicherter Steig. Erfahrene brauchen kein Klettersteigset; Anfänger wissen es vielleicht zu schätzen, viele Sicherungsstellen gibt es aber nicht. Helme hatten wir nicht dabei — der Zufall ist allerdings ein Mistkerl…
Offiziell ist es ein Klettersteig der Schwierigkeit B mit Kletterstellen 1− auf etwa 200 Metern Länge. Erwartet keine schwere Kletterei — es gibt ein paar luftigere, gesicherte Passagen. Trotzdem ist es ein recht unterhaltsamer Weg, der sich zügig gehen lässt, sofern man nicht wie wir hinter einer langsamen Wandergruppe landet. Den Gipfel sieht man bis zuletzt nicht, aber nach dem letzten (und wohl schwierigsten) Abschnitt zeigt sich endlich das große Gipfelkreuz.
Das rot-weiße Kreuz lädt zum Fotografieren ein, aber im Herbst weht es ordentlich und warm ist es dort nicht. Gesellschaft leisten euch die Vögel, die sich über jeden verlorenen Bissen der Jause freuen. Obwohl am Gipfel viel los ist, gibt es im Vergleich zu anderen Bergen (z. B. der Drachenwand) genug Platz für alle.
Abstieg über den Toten Mann
Für den Abstieg wählen wir eine andere Route als für den Aufstieg — zum Glück. Der Klettersteig war nicht schwer, aber hinunter wäre er unangenehm. Wir steigen Richtung Toter Mann ab, Wetter und Sicht verschlechtern sich etwas. Der Abstieg ist anfangs nicht schwierig, eher lang — und mangels Aussicht im Nebel auch ziemlich eintönig. Plötzlich wird es steiler und man braucht gelegentlich die Hände. Über den verschlungenen Weg erreicht man langsam den Sattel zwischen Warscheneck und Totem Mann. Hier hat sich das Wetter wieder beruhigt, und beim Anstieg auf den Toten Mann gibt es wieder Aussicht.
Der Anstieg beträgt etwa 30 Höhenmeter auf einem grasgesäumten Pfad, dann geht es wieder hinunter in den nächsten Sattel bei der Roten Wand. Von dort folgt ein klassischer Alpenabstieg — steil, kurvig und rutschig. Relativ bald ist man unten am kleinen See Brunnsteinersee. Baden ist verboten, aber die Fotos werden hier wirklich großartig.
Von dort wartet nur noch der Schlussweg zur Bergstation der Standseilbahn, der am Ende des Tages unangenehm ist, weil er leicht ansteigt (ca. 50 Höhenmeter) und endlos erscheint. Wir haben gerade noch ein schnelles Bier im Stehen geschafft — und ab in die letzte Kabine des Tages hinunter ins Tal.
Tipps und Tricks
Parken: Der Parkplatz an der Talstation ist groß, an Wochenenden und im Sommer aber stark ausgelastet. Ich empfehle, früh am Morgen zu kommen.
Bahn: Die Standseilbahn Wurzeralmbahn fährt ganzjährig und erleichtert die Tour erheblich. Aktuelle Betriebszeiten und Preise findet ihr auf der offiziellen Website.
Einkehr: Auf der Wurzeralm gibt es mehrere Hütten zum Rasten und Einkehren. Unterwegs gibt es keine Wasserquelle, an heißen Tagen also genug Wasser mitnehmen.
Ausrüstung: Ihr seid im Hochgebirge unterwegs, wo das Wetter blitzschnell umschlagen kann. Eine Regenjacke gehört mindestens ins Gepäck. Das Gelände ist nicht schwierig, niedrige Trailschuhe reichen.
Sicherheit: Die Tour aufs Warscheneck gehört zu den konditionell fordernderen. Der Klettersteig ist einfach, gesichert sind aber nur kurze Abschnitte. Stellenweise ist der Aufstieg recht luftig — wer Höhenangst hat, könnte sich unwohl fühlen. Informiert euch vor der Tour über das Wetter und passt auf euch auf.